Dein erstes Mal „Hurt“ vergisst du nie: Dort, am von Met und Diesel verklebten Bartresen deiner Lieblings-Punk-Metal-Rockabilly-Spelunke mit dem allzu euphemistischen „Musikcafé e. V.“ im Impressum. Dort, nur ein altersschwaches Sitzmöbel neben diesem Freund mit Schiebermütze und Pferdeschwanz, der genau genommen mehr Freund eines Freundes war und von der ersten Sekunde an eine ehrerbietige Textsicherheit an den Tag legte, die dich schonungslos wissen ließ, hier hast du gehörig Aufholbedarf! Dort, 52 tranceartige Minuten im pathosbewucherten Melancholie-Himmel später, öffnete sich dir der Kaninchenbau, der bis heute das wohl bedeutendste Revival in der musikalischen Laufbahn von Johnny Cash darstellt und an dessen Eingang damals die Erkenntnis wartete, dass dieser Name für mehr steht als ein abfällig-verballhornendes „Johann Bargeld“, wie es auch der schnauzbärtige Ausbilder gerne hat fallen lassen, der dir beim Autoradio-Einbau stets mit einem süffisanten „Findest du das Loch nicht, wenn keine Haare dran sind?“ zur Hand ging.
Klar, dass einer Offenbarung diesen Kalibers - von der noch weitaus wesentlicheren Tatsache, dass „American IV: The Man Comes Around“ nur einen kleinen Teil seines im Laufe der Jahre zu sechs Episoden anthologisierten Spätwirkens repräsentiert, ganz zu schweigen - eine die Halbwertszeit des eigenen Hörvermögens überdauernde Begeisterung für Cashs schöpferischen Lebensabend folgen musste. Doch ganz gleich, wie oft du seither den Text von „Delia’s Gone“ während des abendlichen Hundespaziergangs in den pechschwarzen Winterhimmel geplärrt, die vermeintliche Beschwingtheit von „The Kneeling Drunkard’s Plea“ in Zweifel gezogen, zu der vollendet unperfekten Darbietung von „I See a Darkness“ wortlos ins Leere gestarrt, mit einem tröstlich-hoffnungsvollen „We’ll Meet Again“ den Verlust eines besonderen Menschen betrauert oder deinen Trennungsschmerz mit einer Dämme sprengenden „For the Good Times“-Dauerschleife erst ins Unermessliche potenziert und schließlich erfolgreich verwunden hast: Dein erstes Mal „Hurt“ vergisst du nie!