Die purpurnen Güsse
Manchmal scheint es, als käme zusammen, was zusammen gut werden muss: technisch gehobenes Geballer mit einem Gran Wiedererkennungswert, im grindigen Death Metal als andere als obligatorisch, visuell eindrucksvoll zelebrierte Video-Nasty-Eleganz und von wiederholter Revision geprägte Amtsjahre auf dem borkenflechtigen Frankenstein-Buckel, die jede Debatte um Fortentwicklung und eigenständigen Sound überflüssig machen. Aber was tun, wenn der sprichwörtliche Funke, obschon sämtliche Vorzeichen auf schwerwiegende Nackenzerrung stehen, partout nicht überspringen will? Ganz einfach - den Denkapparat aus dem Enddarm ziehen, trotzdem kaufen und von Zeit zu Zeit den Bereich zwischen linker und rechter Ohrmuschel freipusten lassen! Einen endgeilen Aufhänger wie „Die purpurnen Güsse“ lässt man unter keinen Umständen sausen … NIEMALS!
Memento Callejon - Metropolis (2020)
So charakteristisch Konzept und Ausführung, so diskussionswürdig der versöhnliche Schritt in Richtung jener 5-Wörter-E-Commerce-Rezensenten, die CALLEJON nach dem mutigen „Fandigo“ als ECHT des Metalcore abgewatscht haben, vermutlich aber nichts Verwerfliches darin sehen, auch weiterhin Textzeilen wie „Was bleibt, seid ihr, auch wenn der Wind sich dreht!“ aus Leibeskräften von der polyesterbezogenen Wohnlandschaft zu chanten.
Memento Jeremiah Sand - Lift It Down (2020)
Wer sich mit Horrorfilmen befasst, der hat vermutlich längst einmal bei der neongrell pulsierenden Vergeltungssause, die Nicolas Cage 2018 für den zum Sektenvorsteher aufgeschwungenen Esoterik-Guru, gescheiterten Liedermacher sowie Entführer, Peiniger und schließlich Mörder seiner Lebensgefährtin schmeißen durfte, auf dem Rücksitz Platz genommen. Und wer sich mit Filmmusik befasst, der stößt nach reiflicher Recherche womöglich auf die alles andere als fiktive Soloplatte des umtriebigen Leinwandschurken mit Hang zum grenzbizarren Härtefall-Lila. Und wer das nicht prinzipiell grandios findet, dem ist ohnehin nicht zu helfen.