2021: Odyssee im Neuheitenprogramm
Aufgehorcht, Ihr schachteldeutschgetriggertes Programmierervölkchen, das Ihr mit euren kosteneffizient im Förderunterricht zurechtgestümperten „Das könnte Dir gefallen“-Algorithmen ganzkörpertätowierte Redundanz in meine virtuelle Musikbibliothek defäkiert, als wäre sie ein Volksfest-Dixi! Es gab eine Zeit, da traf das heitere Ineinanderrühren von scheinanarchischer Magerfrickelei und (nicht selten androgyn gefärbter) Larmoyanz genau den Nerv sorgsam gescheitelter Nasenringträger in aquamarinfarbenem Holzfällerchic. Da wurden Songs noch mit „Marry Me, Fuckmachine“, „Make My Day, Oh Skeleton Warrior“ oder vergleichbar ridikülen Imperativ-Kuriosa betitelt. Und auf der A 11 Richtung Samstagabend-Mosh-Eldorado gab die VSxE-Primadonna von der Rückbank aus ungefragt einen Abriss der trendigsten Nahrungsergänzungspräparate zur Vorbeugung letal-idealistischer Mangelerscheinungen zum Besten.
Anstatt mir also weiterhin mit der Vielseitigkeit eines ungenutzten Schnellhefters vermeintliche Neuerscheinungen aufnötigen zu wollen, die erstens) gerade gestern in mehreren Durchgängen brutalstmöglich auf meine Cochleae eingedroschen haben oder b) längst unveränderlicher Bestandteil meiner Playlist sind oder römisch drei) bereits dutzendfach unter euren letzten 52 Sammelvorschlägen vertreten waren, überrascht mich doch mit einem zünftigen Screamo-, Pardon, Sasscore-Revival! Etwas, das das nerdige Zweiergespann aus den Anfangstagen von I Set My Friends on Fire vor Entsetzen zu ihren Asthma-Inhalatoren greifen lässt. Etwas, das der Truppe aus Vannas „A New Hope“-Ära zutiefst empfundene Abgunst in Versalschrift hinter die Stirnfransen kritzelt. Am Ende sogar ein Split-Release ... eines, bei dem sich die Kollaborateure auch als solche verstehen und bereitwillig sämtliche Register für den großen gemeinsamen Act ziehen. Gibt's nicht? Gibt's wohl! Und der Preis für den besten „Dit is ja 'ne Frau!“-Moment geht an ...