2019-11-14

Memento Enter Shikari - Take To The Skies (2007)

In guten wie in schlechten Hooklines ...

Uckermärkische Bühnen, irgendwann 2008. Drei hochdekorierte Moshpit-Recken zwischen zwanzig und fünfundzwanzig Jahren haben sich auf den Weg ins geistig-kulturelle Epizentrum ihres Heimatortes begeben. Auf den Steinstufen zur Theaterpforte entfacht ein durch Goldkrone und Johannisbeersaft befeuerter Diskurs über die umgreifende Gehemmtheit unter eingefleischten Metalcore-Enthusiasten, sich als Freunde des ins Zuckersüße hybridisierten Wirkens auf dem Langspiel-Debüt der aufstrebenden Enter Shikari zu bekennen. Wenig später. Drei hochderangierte Moshpit-Recken zwischen anderthalb und zwei Promille grölen Textpassagen aus "Sorry You're Not a Winner" zu dem Gedudel eines schwachbrüstigen Vorläufers heutiger Bluetooth-Lautsprecher in die merklich aufgefrischte Spätsommernacht hinaus. Das unerlässliche Mitklatschen bei der 30-Sekunden-Marke könnte besser getimt sein!

St. Annen und Brigitten, September 2016. Die Standesbeamtin hält für den Augenblick inne, während ein behutsam anschwellendes "Adieu" Tränen der Rührung über die Lidränder der Hochzeitsgesellschaft schießen lässt. Von den debattierfreudigen Weggefährten aus jener Nacht vor 8 Jahren ist keiner unter den Anwesenden. Der Kontakt - längst abgerissen - und mit ihm jede Spur von Sympathie gegenüber Goldkrone-Johannisbeersaft. Das Geschehene überdauert hat allein die Maxime, über einengende Szene-Konventionen hinweg zu dem zu stehen, das einem ein gutes Gefühl bereitet. Immer. "Ladies and gentlemen, show your appreciation for Jonny Sniper!"