2022-04-15

Memento Linkin Park - Hybrid Theory (2000)

Früher war alles Chester

Ob der Schulfreund, der die umgebende Festtagsgesellschaft mit seinem in Dauerschleife gefangenen Halb-Playback von „In the End“, welches er just auf persönlichen Wunsch zusammen mit der Maxi-Single von „Just Like a Pill“ erhalten hatte, immer und immer (und immer) wieder bis an den äußersten Rand des menschenmöglich Tolerierbaren drängte, während wir unwissentlich das erste und zugleich letzte Mal, seitdem sich unser bis dahin gemeinsamer Bildungsweg in unterschiedlichen Klassenverbänden derselben weiterführenden Schule fortzusetzen offenbarte, Seite an Seite seinen Geburtstag feierten.

Oder das virtuelle Techtelmechtel mit der Alternative-affinen BRAVO-Chat-Eroberung aus dem 4 unüberbrückbare Autostunden entfernten Harzvorland und unser gemeinsam per kostspieligem SMS-Ping-Pong zelebrierter Faible für das melancholietriefende Standalone-Meisterstück „My December“, viele Monate bevor ich dank glücklicher Fügung und durch namhaften Feigenlikör heraufbeschworener Enthemmung so etwas wie mein ganz persönliches Coming-of-Age einläuten und den Titel wie einen Evergreen des romantisch verklärten Mixtapes auf zahlreichen selbstgebrannten Liebeserklärungen verarbeiten sollte.

Oder die einschneidend spektakuläre Erfahrung des allerersten Konzertbesuchs vom überfallartigen Entsorgen unserer ungeöffneten, von Mutti als Marschverpflegung vorgesehenen Brausefläschchen bei der Einlasskontrolle über das hochgradig verschüchterte allererste Emporrecken der Teufelshörner zu dem Set, das nur wenige Tourstopps darauf in Linkin Parks allererstem Livealbum kulminierte, bis hin zur mitternächtlichen Heimfahrt und dem alsbaldigen Wegdösen des - in den Anekdoten meines namenvergessenen Vaters und diensthabenden Überführungsbeauftragten an jenem Abend - seither nur noch „Der Schläfer“ genannten Begleiters.

Früher war eben alles Chester!