2019-12-12

Memento Fallbrawl - Darkness (2019)

Alle meine Hämatome

Nicht weniger als eine Frage der Ehre war es meinem einundzwanzigjährigen Selbst, kaum dass Fallbrawl ihr passenderweise "Cold World" betiteltes Erstlingswerk im fahlen Licht der Wirklichkeit auf den nasskalten Fliesenboden gepresst hatten, dem heldenhaft stoischen Schlachtruf von Optimus Prime auf eine Handvoll Prellungen (einschließlich Übernachtung im Doppelzimmer einer familiengeführten Pension) zum Charitycore ins sieben Bahnstunden entfernte Minden nachzureisen.

Und jetzt, ganze zehn Jahre, drei unbeachtete Veröffentlichungen, einen Sängerwechsel und die vollkommene Box-Office-Bedeutungslosigkeit von Michael Bays Transformers-Kapriolen später, ist es abermals an mir, dem Geheiß der Dunkelheit auf eine kalorienreduzierte Holunderschorle am Bartresen und Garderobenmarken aus ungebleichtem Recyclingpapier zur Clubshow in einem anreisefreundlichen Umkreis von höchstenfalls zweihundert Autobahnkilometern Folge zu leisten. Lieber überlasse ich es einer neuen, nicht so sehr auf ein vollständiges Lächeln angewiesenen Generation von Einundzwanzigjährigen, unter schubweiser Aufwallung brüderlicher Eintracht Tough-Guy-Arien à la "The Storm" in die Linse des Konzertfotografen zu johlen, anschließend in alle Himmelsrichtungen zu zerstieben und macchiomäßige Lufttritte auf Kinnladenhöhe an die Anwesenden zu verteilen. Gelegenheit dazu gibt es jedenfalls nach wie vor reichlich. Für mich aber liegt die Zukunft der maximal-misanthropischen Rumpel-Kumpel aus dem Pott nicht im schonungslosen Abriss der ersten Stunde, sondern in den zugleich stärksten Momenten ihres neuesten Opus: dem deutschsprachigen Melodic Hardcore.