2012-04-02

Lassen Sie mich durch, ich bin vom Fach

Sie haben jeden Zeitungsartikel gelesen und jeden Fernsehbericht gesehen, Sie wissen alles und geben sich unbeirrbar, doch letztlich wissen Sie nur alles besser.

Dabei vernachlässigen Sie nur zu gern, dass Fachkompetenz nicht gleichzusetzen ist mit dem Bezug des monatlich kündbaren Probeabonnements der Zeitschrift „Halbbilder, Halbleiter und Halbwissen“; dass der regelmäßige Konsum pseudo-dokumentarischer Gerichts- und Rechtsberatungssendungen Sie zweifelsohne in den Rang eines Pantoffelhelden, nicht jedoch zum Star-Anwalt befördert; und dass die Der-Kunde-ist-König-Attitüde Ihnen kein Widerspruchsrecht in den Fragen des gesunden Menschenverstands einräumt.

Sie würden einem Internisten auch keine Anleitung für die fachlich korrekte Durchführung einer Intubation entgegenwürgen, während dieser Ihnen einen fingerdicken Schlauch in den Rachen rammt. Ebenso wenig stritten Sie mit dem Piloten Ihrer Sex-und-Abschuss-Discount-Reise über die eingelegte Flugroute, obwohl „Google Maps“ Sie schneller ans Ziel gebracht hätte.

Dennoch scheinen Ihnen sogar die am wenigsten verzichtbaren Grundlagen eines angemessenen Umgangs mit Ihren Mitmenschen vollkommen fremd zu sein, sobald Sie sich einem Handelsvertreter gegenüber sehen.

Doch bedenken Sie: Es ist kaum verwunderlich, dass Ihnen das Gras auf Ihrer Seite des Verkaufstresens grüner erscheint, wenn es in dem geistlosen Dung gedeiht, der dort tagtäglich in aller Maßlosigkeit und mit unverhältnismäßiger Inbrunst abgeladen wird.